7/18/2009

Akupunktur

Akupunktur

Akupunktur
Vorwort Ich, Autor dieses Artikels, bin ein gebürtiger Deutscher, wohne und arbeite aber inzwischen seit 28 Jahren in Japan, davon etwa 23 Jahre als Akupunkteur. Hier werde ich versuchen einen kurzen Überblick über die Behandlungsform Akupunktur zu geben. Da ich von Inhalt und Umfang her nicht mit der einschlägigen Fachliteratur konkurieren kann und will, möchte ich die Leser hinsichtlich weiterer Einzelheiten, wissenschaftlicher und historischer Grundlegen etc. auf die besagte Fachliteratur verweisen.

Einleitung Akupunktur ist eine Form ostasiatischer Medizin, die inzwischen weithin bekannt ist. Der Begriff Akupunktur, wie auch der englische Begriff "acupuncture", wurde aus den lateinischen Worten "acus" = Nadel und "punctio" = stechen abgeleitet. Demgegenüber besteht der chinesische oder auch japanische Begriff aus dem Schriftzeichen für "Nadel" und je nach Zusammenhang dem Zeichen für "Moxibustion" (Neubildung aus „Moxa“ (Japanisch für Beifuß) und „combustion“; weltweit offenbar häufiger verwendet als der entsprechende chinesische Begriff) und den beiden Zeichen für "Behandlung". Dies weist zwar auf den Gebrauch von Nadeln hin, muss aber nicht zwingend bedeuten, dass mit diesen Nadeln "gestochen" wird. Hinsichtlich der der Behandlung zugrunde liegenden Prinzipien, eingesetzten Nadeln und Techniken gibt es keinen einheitlichen "Standard". Das führt einerseits dazu, dass die Theoretiker in Verzweiflung die Hände ringen, gewährleistet aber gleichzeitig eine wundervolle Vielfalt. Dieses Gleichgewicht wird empfindlich gestört, wenn bestimmte Personen oder Organisationen den Anspruch erheben, die einzige "authentische" Form der Akupunktur zu praktizieren.

Geschichtlicher Hintergrund
Genaue Einzelheiten über die geschichtliche Entwicklung der Akupunktur und Moxibustion sind nicht vollständig aufgeklärt, aber eindeutige Beschreibungen dieser Behandlungsformen werden in Schriften gefunden, die auf das zweite vorchristliche Jahrhundert zurückgehen. Zahlreiche berühmte Ärzte haben diese "Kunst der Behandlung" in Form ihrer eigenen Schulen übermittelt und weiterentwickelt, wobei es wie oben bereits gesagt keine einheitlich anerkannte Norm gab.
Die japanische Form der Akupunktur im engeren Sinne kann sich auf eine etwa 1300-jährige Tradition berufen. Ohne moderene Formen des Austausches hat dies aber trotz der relativen geographischen Nähe zu nicht unerheblichen Unterschieden in der Entwicklung in China und Japan geführt. Da die Chinesen jedoch wesentlich bessere Geschäftsleute als die Japaner sind, wird die Welt derzeit fast ausschließlich durch chinesische Konzepte beherrscht.

Material
In China werden wesentlich dickere Nadeln verwendet als in Japan. Historisch ist dies einerseits ein Relikt aus früheren Zeiten, in denen es noch nicht möglich war, so dünne Nadeln herzustellen, wie sie Heute verwendet werden und andererseits ein Ausdruck für die unterschiedliche Konstitution der jeweiligen Völker. Die chinesischen Nadeln haben eine Durchmesser von um die 0,3 mm, während die japanischen Nadeln mit einem Durchmesser von 0,2 mm oder meist noch darunter wesentliche dünner sind. Die Nadeln werden vorwiegend aus rostfreiem Stahl gefertigt, bei dem es sich um Legierungen handelt, die selbst durch Knicken mit einer Zange nicht mehr durchgebrochen werden können. Die genaue Zusammensetzung dieser Stahllegierungen ist jedoch Betriebsgeheimnis. Außen den heutzutage sicher vorwiegend verwendeten Einmalnadeln gibt es immer noch Nadeln, die für wiederholten Gebrauch gedacht sind. Verarbeitung und Güte betreffend sind diese den Einmalnadeln eindeutig überlegen.
Für die Moxibustion (inzwischen gibt es offenbar auch das Verb „moxen“ im Deutschen), ein Begriff der noch nicht so weit bekannt ist wie Akupunktur, werden die aus den getrockneten Blättern des Beifuß gewonnenen Fasern verwendet. Dieses Material wird zu kleinen Kegeln geformt entweder direkt auf der Haut verbrannt oder durch bestimmte zwischen dem Moxa und der Haut eingebrachte Material von dieser getrennt. Je nach Verwendungszweck gibt es ein Anzahl verschiedener Moxaqualitäten. Da dies natürlich zu (erwünschten!) Verbrennungen führt, sind diverse Firmen mit tausenderlei Produkten auf den Markt gekommen, bei denen es nicht zu Verbrennungen kommt.

Behandlung
Die oben genannten sowie auch weitere ostasiatische Therapieformen werden oft als „balance medicine“ bezeichnet, weil dabei angestrebt wird, angenommene oder auch tatsächlich vorhandene physische und seelische Ungleichgewichte wieder auszugleichen. Manchmal wird dieser Umstand auch so ausgedrückt, dass die orientalische Medizin funktionelle nicht aber organische Störungen (z.B. Knochenbruch) beheben kann.
Nach dem heutigen Stand des Wissens (siehe Fachliteratur) kann davon ausgegangen werden, dass die Akupunktur vorwiegend über eine Reizung von Nerven Signale ans Gehirn sendet, die dort verarbeitet werden und das Ergebnis der zentralen Verarbeitung zu Auswirkungen auf Körper und Seele führt. Dann gibt es sicher auch zahlreiche Wirkungen, die nicht in herkömmlichen wissenschaftlichen Ausdrücken dargestellt werden können, die ich jedoch hier wegen der enormen Ausdehnung des Themas nicht besprechen möchte.
Bei der Moxibustion kommt es wie gesagt zu Verbrennungen. Diese führen durch Freisetzung von Zellinhalten - da die Verbrennungen zur Zerstörung von Zellen führt - zu einer Stimulation der Immunantwort. Die Komponenten dieser Immunantwort werden über das Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen, so dass diese Behandlungsform auch bei Lähmungen wirkt, bei denen Akupunktur nicht wirken würde.

Anwendungsgebiete
Heutzutage findet die Akupunktur vermutlich am häufigsten Anwendung für Störungen der Muskeln und Knochen, das heißt im orthopädischen Bereich. Dies ist leider eine Einschränkung, die von vornherein ausschließt, dass Patienten mit Krankheiten wie Diabetes, Hochdruck, Krebs oder dergleichen von den positiven Wirkungen einer Akupunkturbehandlung profitieren können. Da in der orientalischen Medizin kein Unterschied zwischen seelischen und physischen Krankheiten gemacht wird, kann diese Behandlungsform im Prinzip auch für die Therapie von seelischen Störungen eingesetzt werden.
Traditionell wird die Moxibustion eher für chronische Krankheiten verwendet. Insbesondere erlaubt diese Technik es des Patienten sich selbst zu behandeln. Dies ist ein bedeutender Aspekt bei einem Prozess, bei dem Patient (beziehungsweise potentielle Patienten) lernt, der eigenen Gesundheit gegenüber mehr Verantwortungsbewusstsein an den Tag zu legen. Die moderne Schulmedizin nimmt dem Patienten diese Verantwortung nur allzu oft aus den Händen, indem sie in ihren hochtechnischen medizinischen Einrichtungen "be-handeln".
Und im Unterschied zur genannten Schulmedizin muss Akupunktur eindeutig als ein HAND-WERK im Sinne des Wortes aufgefasst werden, dass nur durch lange praktische Erfahrung und Übung "ge-meistert" und nicht durch akademische Bemühungen (Kopfarbeit) ersetzt werden kann.
Der Trend der Zeit neigt offenbar dazu, Akupunktur nur Ärzten zu erlauben. Dies lässt jedoch außer Acht, dass den meisten Ärzten eben dieses spezielle handwerkliche Können fehlt, auch wenn sie anderweitig Fertigkeiten als Arzt haben mögen.

In der Hoffnung, eventuell zur Beseitigung gewisser Unklarheiten oder Missverständnisse beigetragen zu haben -
Thomas Blasejewicz

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